Verkehrsmittel in Hong Kong, Teil 2: Mass Transit Railway


Dieser Post ist der zweite Teil der Aufbereitung meines Mastodon Threads über die verschiedenen Verkehrsmittel in Hong Kong. Den Thread habe ich urspünglich nach meiner Reise 2023 geschrieben. In diesen Blogbeitrag habe ich noch Kleinigkeiten ergänzt und ein paar Fotos von 2025 hinzugefügt.

Teil 1 “Doppelstockstraßenbahn” gibt hier.

Zum Stadt angucken und genießen oder für kurze Strecken ist die Doppelstockstraßenbahn super. Ein bisschen langsam ist sie allerdings schon. Wenn’s also schnell gehen muss, nimmt man dann lieber die parallel zur Tram verlaufende U-Bahn der Island Line.

Einen U-Bahnwagen von innen fotografiert

Die MTR (Mass Transit Railway) ist das wohl wichtigste Verkehrsmittel in Hong Kong und eins der modernsten U-Bahn-Systeme der Welt. Mit 10 Linien mit teilweise einem 2-Minuten-Takt, transportiert sie täglich fast 5 Millionen Menschen. Die Linien unterscheiden sich teilweise voneinander. Leider habe ich viel zu wenig Bilder gemacht, deswegen kann ich euch nur ein paar wenige Linien vorstellen.

Tunnel eines U-Bahnhofs mit Blick in Richtung der Gleise.
U-Bahnhof North Point

Viele parallele, sehr lange Rolltreppen auf mehreren Ebenen.
Rolltreppen am Umstiegsbahnhof Admiralty

Blick auf die vorderen Fenster eines Automatisch fahrenden Zuges
Vordere Fenster eines Zuges der South Island Line

Die relativ neue South Island Line bindet seit 2016 erstmalig die Südseite von Hong Kong Island und die Insel Ap Lei Chau an das MTR-Netz an. Sie fährt vollautomatisch und man kann vorn raus gucken und hat den besten Blick auf das Innere der Tunnel.

Blick aus einem dunklen Tunnel an einer Weiche. Man sieht wie die sich trennende Strecke an zwei verschiedenen Tunnelenden ins Helle führt.

Nachdem die Linie die riesigen Berge von Hong Kong Island durchtunnelt hat, fährt der Zug ein Stück oberirdisch, bis er nach der Überquerung des Aberdeen Channels wieder in den Bergen von Ap Lei Chau verschwindet.

Blick aus dem Fenster entlang der Strecke. Es sind steile, bebaute Berge zu sehen.
Blick aus dem Zug Richtung Nordosten auf die Berge von Hong Kong Island an der Station Ocean Park.

Die deutlich längere East Rail Line fährt ganz in den Norden bis an die Grenze nach Shenzhen. Als wir 2023 dort waren, war die Grenze coronabedingt noch für Tourist*innen geschlossen. Wir konnten auch nicht aus dem Bahnhof Lo Wu raus, um einen Blick auf die Stadt zu werfen. Seit 2024 kann man nun aber mit deutschem Pass sogar ohne Visum einreisen.

Ein langer Gang mit Laufbändern. Darüber Schilder auf denen Exit und Shenzhen steht.
Bahnhof Lo Wu kurz vor dem Grenzübergang nach Shenzhen.

Es gibt aber noch einen anderen Zweig der East Rail Line. Dieser führt zum neuen Grenzübergang Lok Ma Chau. Dort konnten wir Shenzhen immerhin vom Bahnsteig aus und aus dem Zug heraus sehen.

Blick auf Shenzhen
Blick von den Bahnsteigen des Bahnhofs Lok Ma Chau über den Shenzhen River auf Futian. Links im Hintergrund ist das 599 Meter hohe Ping An International Finance Center, das mit höchste Gebäude Shenzhens, zu sehen.

Im Bahnhof Lok Ma Chau gibt es noch eine kleine Ausstellung mit einer Wagenachse und einem Token Block Instrument – einem alten Zugsicherungsystem. Denn die East Rail Line ist der älteste Teil des MTR Netzes und wurde schon 1910 als Teil der Kowloon–Canton Railway eröffnet1.

Ein altes Gerät in einer Vitrine. Es sieht aus wie ein sehr großes altes Telefon. In der Mitte ein Dreschalter, den man zwischne den beiden Richtungen umschalten kann.
Token Block Instrument, wie es bis zur Elektrifizierung 1983 auf der KCR benutzt wurde.

An einige Stellen ist noch zu erkennen, dass die East Railway Line gar nicht als Metrolinie gebaut wurde und mal zu einer anderen Bahngesellschaft gehörte. Zum Beispiel daran, dass es eine 1. Klasse gibt oder die Bahnsteige im Gegensatz zu den anderen Linien keine Bahnsteigtüren haben. Die Kowloon–Canton Railway Corporation wurde dann 2007 von der MTR übernommen.

Inneres eines Wagens der 1. Klasse
1. Klasse Wagen der East Rail Line in Lok Ma Chau

Blick auf einen Bahnsteig ohne Bahnsteigtüren. Unterhalb des Bahnsteiges verlaufen Sichtbar Kabel und es sind Leuchtstoffröhren installiert
Bahnsteig ohne Bahnsteigtüren am Bahnhof Mong Kok East.

Als wir 2025 mit dieser Linie fuhren, wurden die Bahnhöfe gerade alle mit Bahnsteigtüren ausgerüstet.

Blick auf einen Bahnsteig mit Bahnsteigtüren vond er Gleisseite aus
Frisch installierte Bahnsteigtüren an der Station University. Die Schilder, dass das Überqueren der Gleise verboten ist, hängen noch.

Ich weiß nicht warum, aber ich finde es schon ein bisschen befriedigend, wenn sich Bahnsteigtüren synchron zu den Zugtüren schließen.

Synchron schließende Bahnsteigtüren in Sunny Bay auf der Tung Chung Line

Richtungsbahnsteige kennen wir ja hier auch. In Hong Kong werden die Tunnel zweier kreuzender Linien so geknotet, dass jenachdem an welchem, der zwei aufeinanderfolgenden Bahnhöfen man umsteigt, am gegenüberliegenden Gleis in die unterschiedlichen Richtungen der gleichen Linien fahren kann. Das ermöglicht sehr effiziente Umsteige.

Schematische Darstellung der Umstiegsmöglichkeiten in verschiedenen Richtungen an den Bahnhöfen Tiu Keng Leng und Yau Tong
Umstiegsmöglichkeiten in verschiedenen Richtungen an den Bahnhöfen Tiu Keng Leng und Yau Tong
Grafik: Sameboat, MTR multiple cross platform interchange, CC BY-SA 3.0

In welche Linie und Richtung man am aktuellen Halt umsteigen kann, wird auch in älteren Zügen mit kleinen Lampen auf dem Liniennetzplan über den Türen visualisiert.

Anzeige im Zug des oben schematisch dargestellten Umstiegs (3➔2). Die Bahnhöfe entlang der grünen Linie blinken, da man am kommenden Halt (rot blinkend) in Züge zu diesen Bahnhöfen Umsteigen kann.

Eine Linie der ganz besonderen Art ist die Disneyland Resort Line. Sie hat nur zwei Stationen und wie der Name schon vermuten lässt, ist sie einzig und allein dazu da Menschen ins Disneyland zu bringen. Sei es zur Arbeit oder zum Spaß. Und genau so sieht sie auch aus.

Ein Zug mit Fenstern in Form von Mickymäusen steht an einem Bahnsteig
Zug am Bahnhof Disneyland Resort

Haltegriff in der Bahn, der auch aussieht wie ein Mickey Mouse Kopf
Diese Bahn kann ihr Ziel weder von innen noch von außen leugnen.

Nahaufnahme der Fenster

Am anderen Ende der Linie ist genau nichts. Der Bahnhof Sunny Bay dient einzig und allein als Umsteigestation zur Disneyland Resort Line. Ansonsten rauscht dort der Airport Express durch und es hält die Tung Chung Line. Mit der kommt man aus der Stadt nach Tung Chung auf Lantau Island. Was es dort für ein spannendes Verkehrsmittel gibt zeige ich euch das nächste mal.

Blick unter einer Brücke entlang der Fahrbahn. Links ist die Brücke mit einem Zug drauf. unten ist eine große Bushaltestelle zu sehen. Im Hintergrund hohe Berge.
Airport Express bei der Einfahrt in den Flughafenbahnhof

Eine weitere besondere Linie ist der Airport Express. Dieser verbindet, wie der Name schon sagt, den Flughafen mit Tsing Yi, Kowloon und Hong Kong Island.

Anzeige aus einer Reihe von blauen LEDs die den Fahrtfortschritt zwischen Flughafen und Hong Kong visualisiert.
Diese LEDs über den Wagenübergängen zeigen den Fahrtfortschritt an und das rote Dreieck die Fahrtrichtung.

Die Züge besitzen einen Gepäckwagen. Dieser erlaubt es, dass man sein Gepäck nicht erst am Flughafen, sondern schon direkt am Bahnhof einchecken kann. Das war bei unserer letzten Reise ganz praktisch, weil wir das schwere Gepäck schon am Vormittag abgeben konnten, und dann unseren letzten Tag noch mit leichtem Gepäck die Stadt genießen konnten, bis am Abend unser Flug ging.

Gepäckaufgabe Bereich in einem Bahnhof
Gepäckaufgabe am Bahnhof im Stadtzentrum.

Im Gegensatz zu den anderen MTR-Linien2, die mit längs angeordneten Bänken für viele Stehplätze optimiert sind, ist der Airport Express mit einer gepolsterten 2-2 Bestuhlung ausgerüstet. Dafür sind die Tickets für diesen Zug auch deutlich teurer als für die anderen Linien.

Blick durch einen Wagen des Airport Express

Im März 2025 wurden wir im Innenraum des Airport Express von Pandas begrüßt, die Werbung für den Ocean Park machten.

Der Innenraum des Zuges ist mit Cartoon-Pandas beklebt

Und für alle, die nicht genug von der MTR bekommen können, gibt es zwei kleine Souveniershops. In den MTR e-Stores bekommt man neben dem typischen Merch wie T-Shirts und Magneten auch Modellzüge und Plüschtiere der MTR-Maskottchen.

Ein MTR-Transformer steht als Figur in einem Kleinen Laden
MTR e-Store Admiralty

In einem Regal stehen 4 Plüschfiguren

Ticket Gates. Eines ist geöffnet und wird gerade gewartet.
Ticket Gates in South Horizons bei der Wartung.

Den Fahrpreis zahlt man, wie bei fast allen anderen Verkehrmitteln in Hong Kong, mit der Octopus Card. Ticket-Gates und kontaktlose Bezahlkarten sind mittlerweile in vielen Städten der Welt üblich und damit nichts Besonderes mehr. Da es bei der Einführung 1997 eines der ersten Systeme dieser Art war, war die Octopus Card Vorbild für viele bekannte Systeme wie z.B. die Oyster Card in London oder OV-chipkaart in den Niederlanden.

Ein Regal voller Filme. Davor ein Zahlungsterminal.
Octopus Terminal in einem Geschäft für alte Kameras und Filme.

Eine Besonderheit in Hong Kong ist die breite Aktzeptanz der Karte: Die Nutzbarkeit beschränkt sich nicht nur auf Verkehrsmittel, sondern man kann damit auch an den meisten Automaten, Restaurants, Geschäften und Supermärkten bezahlen. In manchen Gebäuden wird die Octopus Card auch als Zugangskarte benutzt.

Bild von einem Waschsalon mit Octopus Card Terminal
Hinweis in einem Waschsalon, dass wenn man keine Octopus Karte hat, beim Ladenbesitzer mit Bargeld zahlen kann, und dieser dann seine eigene Karte an den Automaten hält.

Eine Self-Checkout Kasse auf der gerade IKEA Blåhaj gescannt werden. Die Kasse hat einen reader für Octopus Karten.
Octopus Reader im Zahlterminal bei IKEA

Es gibt spezielle Karten für Menschen in höherem Alter. Diese sorgen nicht nur für einen niedrigeren Fahrpreis, sondern besitzen auch ein paar Sonderfunktionen. So können sie z.B. an einigen Ampeln die Grünphase verlängern.

Octopus Card Terminal an einer Ampel.

Ein Octopuskartreader an einem stationären Fernglas mit dem man vom Berg aus runter auf die Stadt gucken kann.
Auch dieses Fernglas kann mit der Nahverkehrskarte freigeschaltet werden.

Ein U-Bahneingang auf der Straße
Eingang zur Station Mong Kok. Das kleine Treppchen vor dem Eingang verhindert, dass bei Regen Wasser in den Bahnhof läuft.


  1. Der Teil an dem die Ausstellungsstücke stehen, wurde allerdings erst 2007 eröffnet. 

  2. Die First Class in der East Rail Line hat eine ähnliche Sitzanordnung. 

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